Der Bloodhound
von Barbara MaißenbacherDer Bloodhound, auch St. Hubert Hound oder Chien de St. Hubert genannt, gehört zu der FCI Gruppe 6 (Lauf- und Schweißhunde).
Der Bloodhound ist kein gewöhnlicher Hund, sein Erscheinungsbild ist für die einen imposant, kraftvoll, edel und geprägt von Ernst und Würde, für die anderen wirkt er sogar abstoßend. Er eignet sich nicht für eine Etagenwohnung in der Stadt, und Straßenlärm und Hektik liebt er nicht. Genausowenig sollte der Bloodhound nur im Zwinger gehalten werden; er braucht den Kontakt zu seinem Rudel, das wir für ihn darstellen. Der Bloodhound hält sich mit Vorliebe im Freien auf, wo er manchmal seinen Aktivitäten freien Lauf lässt, wodurch der gepflegte Garten ein neues Outfit bekommen kann!
Wesen und Besonderheiten
Trotz seines gleichgültigen Gesichtsausdruckes ist der Bloodhound ein lebhafter fröhlicher Begleiter, der lange und ausgedehnte Spaziergänge liebt und von der Muskulatur her auch braucht, wenn er das Laufen nicht verlernen oder an Muskelschwäche erkranken soll. Auf seine Mitmenschen strahlt er Ruhe und Gelassenheit aus, die durch seine immer etwas schwermütig wirkende Augenpartie unterstrichen wird. Der Bloodhound besitzt alle charakteristischen Eigenschaften für jene Hounds, die in der Meute nur mit der Nase jagen. Der melancholische Blick, die Falten im Gesicht, das stark ausgeprägte Hinterhauptbein, die reichliche Wamme und die typischen langen Hängeohren gehören zu ihm wie das ständige Geifern, das durch die Lefzen bedingt ist. Sollte man sich für einen Bloodhound entschieden haben, sollte man das Letztere wirklich in Betracht ziehen, denn wenn er sich schüttelt oder etwas Interessantes riecht, läuft ihm das Wasser im Fang zusammen. Die Spuren die daraus entstehen, werden wir an uns oder an der Einrichtung wiederfinden. Also mit anderen Worten, wenn man gut sozial integrierten Hund haben wollen, sollte das Haus pflegeleicht sein, und die Sonntagsgarderobe ist besser im Schrank aufgehoben. Den absoluten Gehorsam hat ein Bloodhound auch nicht erfunden, und man kann ihn auch nicht dazu bringen. Bloodhounds sind eigensinnige Individualisten, die selbständig arbeiten möchten und das beim Spazierengehen unangeleint auch beweisen. Wenn er auf einer für ihn interessanten Spur ist, kann man rufen, schreien, locken oder sonstige Capriolen schlagen, er registriert davon nichts mehr. Wenn Sie der Meinung sind, man bekommt jeden Hund dazu, nicht seiner Jagdleidenschaft nachzugeben, indem man Härte anwendet, so sollten Sie spätestens jetzt das Heft auf die Seite legen und sich mit einer anderen Rasse beschäftigen. Der Bloodhound verträgt keine Härte. Er hat dafür ein zu sanftes Gemüt, das viel Fingerspitzengefühl verlangt. Freilich, er braucht eine konsequente Erziehung, aber man muß auch viel Geduld und Einfühlungsvermögen besitzen. Wenn er zu hart bestraft wird, vergisst er das nie mehr und wird eher der Hand bzw. dem Besitzer gegenüber Scheue zeigen. Er braucht einen ruhigen und ausgeglichenen Besitzer (bzw. Familie), der einen festen Tagesablauf hat. Hektik, ständig wechselnde, geräuschstarke Änderungen im Umfeld, machen den Bloodhound auf Dauer zu einem Nervenbündel oder Wrack, das dann durch diese für ihn nicht zu verkraftenden Einflüsse Verhaltensstörungen aufweist (Zerstörungswut, Aggressivität). In einem ausgeglichenen Milieu wird der Bloodhound hingegen sein weiches, anhängliches, liebebedürftiges Gemüt mit viel Charme und Gelassenheit voll entfalten, und man hat in ihm einen guten, ruhigen, ausgeglichenen, unauffälligen Freund und Begleiter. Auf Grund dieser sanften Eigenschaften ist er als Wachhund ungeeignet. Fremde, unerwünschte Leute wird er anbellen, aber ohne Schärfe zu zeigen.Herkunft und Geschichte
Die Linien des Bloodhounds kann man bis in das 8. Jahrhundert verfolgen. Die berühmteste Linie stammt aus dem Kloster St. Hubert in den belgischen Ardennen. Eine Legende erzählt, daß ein besonders jagdlich eifriger Adliger, Francois Hubert, an einem Karfreitag mit seinen berühmten selbstgezüchteten Hunden in den Wäldern jagte, als er plötzlich eine Vision eines Hirsches mit einem goldenen Kreuz zwischen den Geweihstangen sah. Er wurde daraufhin Mönch und gründete eine Abtei. Ein Jahrhundert nach seinem Tod (im Jahre 825) wurde er heilig gesprochen und gilt seither als Schutzpatron der Jäger. Die Zucht wurde im Kloster über Jahrhunderte fortgesetzt. Diese, meistens schwarzen, Ardennenhunde waren für ihre gute Schweißarbeit bekannt. Sie arbeiteten langsam, genau und ausdauernd. Durch diese Nasenveranlagung wurden sie vor allem für kalte Fährten eingesetzt. Ihre Stimme war und ist melancholisch anhaltend und hört sich in einer Meute wie ein Chorgesang an. Mit der Zeit entwickelten die St. Huberts rote Abzeichen, die sich langsam vergrößerten. Es gab auch weiße Hunde, die jedoch nicht so beliebt waren wie die Black and Tan - (schwarz-roten) Linien. Als Wilhelm der Eroberer 1066 England über Frankreich einnahm, wurden auch St. Huberts mit importiert. Diese Hunde wurden für die Hochwildjagd verwendet, die in England und Frankreich eine beliebte „Sportart“ bei den Wohlhabenden und Adligen war. Das Kloster St. Hubert sandte fast 700 Jahre lang jedes dritte Paar Black and Tan and den französischen König. Dieser wiederum verschenkte Hounds an Königin Elisabeth I. von England. Die echte St. Hubert-Linie überlebte bis ins 19. Jahrhundert. Die weißen St. Huberts wurden mit französischen Hounds gekreuzt, und es entstand der Talbot, der ebenfalls nach England importiert wurde. Durch weitere Einkreuzungen englischer Hounds entstand der Southern Hound. St. Hubert Hounds, Talbots und der Southern Hound waren die Vorfahren vieler anderer Jagdhunderasse. Die letzteren beiden Rassen starben jedoch aus. Der englische Name „Bloodhound“ (Bluthund) hat trotz der Schauergeschichten keinen blutigen Hintergrund, sonder kommt von der Bezeichnung „blooded hound“, was soviel wie reinblütiger Hund bedeutet. Bloodhounds waren auch als „Limier“, „Lyme-ho“ und Lymer“ bekannt, weil sie am Riemen geführt worden sind. Als die Güter und Wälder an Größe verloren und die Wildpopulation sich verringerte, wurde die Hochwildjagd von der Fuchsjagd verdrängt. Der langsam jagende Bloodhound wurde von den schneller arbeitenden Foxhounds (dem später die Harriers, Beagles u. andere folgten) abgelöst.Verbrechern auf der Spur
Dank seiner unfehlbaren Nasenarbeit wurde im 16. Jahrhundert mit der Arbeit auf menschliche Spuren begonnen. Die Leistung dieser Hunde wurde so hoch eingeschätzt, daß sie ein gesetzliches Recht hatten, eine Spur ungehindert in ein Haus hinein zu verfolgen. Wurde der Einlaß untersagt, so machte sich die betroffene Person schuldig, egal ob sie mit dem Verbrechen in Verbindung stand oder nicht. Ihr Einsatz hatte große abschreckende Wirkung, da die Gesetzesbrecher größere Angst davor hatten, bei Tageslicht in ihrem Heim aufgespürt zu werden, als in der Dunkelheit am Ort des Geschehens von einem Nachtwächter überrascht zu werden. Durch diesen Ruf als Spürhund wurde für die meisten Menschen ein furchterregendes Zerrbild in Form einer Bestie, die wild brüllend Menschen hetzte, vermittelt. Untermalt wurde dieses Bild dann noch durch Verfilmungen mancher Geschichten (z.B. Onkel Toms Hütte). In Wirklichkeit war der Bloodhound ein Fährtenhund, der zwar den bekannten Spurlaut gab, aber wenn er sein sogenanntes Opfer fand, es nur durch sein freudiges Getue umschmeißen konnte und es eher abschleckte als biß. Und so ist er noch heute.Zu Beginn des 19. Jahrhunderts soll die Anzahl der Bloodhounds in England sehr klein gewesen sein. Erst durch das Aufkommen von Hundeausstellungen um 1870 erwachte das Interesse an dieser edlen, urtümlichen Rasse neu, und einige Züchter setzten sich zielbewusst für die Erhaltung ein. Der 2. Weltkrieg brachte die Rasse abermals fast zum Aussterben. Zur Blutauffrischung wurde eine Kreuzung mit Foxhounds genehmigt, leider nicht zum Vorteil der Rasse, wie sich herausstellte. Die Zwinger „Brighton“ und „Barsheen“ hielten sich zum Glück traditionsmäßig an die Reinhaltung der ursprünglichen Linien. Ihnen ist es zu verdanken, daß trotz des 2. Weltkrieges die Rasse ihren edlen Typus behalten hat.
In Amerika wurden die ersten reinrassigen Bloodhounds zur Zeit der Unabhängigkeitserklärungen erwähnt. Ihre große Popularität erlangten sie aber erst mit dem Aufkommen der Hundeausstellungen. In einigen Ländern werden Bloodhounds noch heute zur Jagd oder als Suchhund (vermisste Personen) verwendet, indem man den Hound am Riemen auf der Fährte arbeiten lässt. Die hohe Konzentrationsfähigkeit und sein stark ausgeprägter Spurwille sind die besten Voraussetzungen dafür. Die amerikanische Polizei nimmt für schwierige Suchaktionen, die von anderen Rassen kaum durchgeführt werden können, gern Bloodhounds. Bei Kriminellen wird ein zweiter Hund (Schutzhund) mitgeführt, der am Ende der Suchaktion vorgeschickt wird und abgerichtet ist, Schärfe zu zeigen, da der Bloodhound friedfertig ist und den erforderlichen Schutztrieb nicht besitzt. Wegen dieser mangelnden Angriffslust werden Bloodhounds in Italien leider zur Wildschweinjagd eingesetzt. Die Überlebenschancen für die Hunde seien angeblich größer, weil sie die Wildschweine nicht attackierten.
Haltung und Pflege
Der Bloodhound ist in seiner Fellpflege unproblematisch. Regelmäßiges Bürsten oder Striegeln genügt. Nach dem Fressen sollte man den Fang und den langen Behang säubern (Ohren hängen oftmals in den Futternapf). Die Augen sollten täglich gesäubert werden und die Ohren hin und wieder kontrolliert und wenn nötig gereinigt werden (Züchter und Tierärzte geben diesbezüglich Auskunft). Zu lange Krallen muß man kürzen, da sie sonst gespreizte Pfoten verursachen und für die Bewegung hinderlich sind. Was die Fütterung anbelangt, sollte man sich an die Anweisungen erfolgreicher seriöser Züchter halten. Durch seine Größe ist der Bloodhound dazu prädestiniert Magendrehungen zu bekommen, das Risiko kann durch die richtige Ernährungsweise und Haltung auf ein Minimum reduziert werden.Das Futter sollte zu festen Zeiten in einer ruhigen Atmosphäre auf zwei bis drei Rationen täglich verteilt werden. Anschließend sollte der Hund genügend Ruhepausen erhalten. Spielen und Herumtoben ist aus oben genannten Gründen untersagt, auch wenn er es gerne hätte. Die Futtermenge ist richtig bemessen, wenn man die Rippen des Hundes ertasten, aber nicht sehen kann. Dies gilt auch für den heranwachsenden Welpen. Der sogenannte „niedliche“ übertriebene Baby- oder Welpenspeck verursacht mehr Spätschäden (z.B. Knochenwachstumsstörungen) als daß er nützt. Ausgedehnte Spaziergänge, freier (eingezäunter) Auslauf und das Spiel mit anderen Hunden sorgen beim erwachsenen Bloodhound neben der qualitativen Fütterung, für eine gute Muskulatur.
Während der ersten 12 Monate sollte man ihn jedoch auf keinen Fall durch zu lange Spaziergänge überfordern und nur kontrolliert herumtoben lassen. Der Bloodhound ist, wie fast alle großen Hunde, ein Spätentwickler. Voll ausgewachsen ist er erst im Alter von 18 bis 24 Monaten.